Streetphotography Paris - und nun?

October 20, 2018

Der jährliche große Städtetrip steht an und wir fahren mit dem Auto nach Paris. Drei volle Tage für eine unbekannte große Stadt. Ich weiß nicht viel über Paris, außer dass es schön sein soll! Den Eifelturm, die Champs Elysee, Moulin Rouge etc. Das alles habe ich bislang nur auf Postkarten gesehen. Doch wer mich und meine Blogs kennt, der weiß, dass ich dahin möchte wo das Leben authentisch ist. Als Streetfotograf möchte ich beide Seiten einer Stadt erkunden. Inzwischen weiß ich, dass es immer eine gute und auch eine schlechte Seite einer Stadt gibt. Doch wie ist der Trip verlaufen? Das alles erfahrt ihr in meinem Blog rund um den Städte/ Streetfotografie Trip nach Paris. Los geht's!

 

Hinweis: Eventuell ist der ein oder andere auf diesen Blog gestoßen, weil er auf Google nach "Städtetrip Paris" gesucht hat. Ich möchte dir an dieser Stelle mitteilen, dass dies kein "normaler" Reisebericht ist. Ich schreibe aus den Augen eines Streetfotografen und nicht aus den Augen eines Trivago- oder RTL Reisejournalisten. Des Weiteren scheint nicht den ganzen Tag die Sonne. Es gibt auch mal Regen und Wolken. Für Blümchen und Kobold Geschichten aus dem Wald gibt es den TV oder das Radio. Dort wird sicherlich vieles berichtet, weit entfernt von dem was der Realität entspricht. Ich berichte genau das, was ich erlebt und wie ich es erlebt habe. Das ist nicht immer positiv und trotzdem wahr. Wenn du damit einverstanden bist, dann lade ich dich herzlich dazu ein hier weiterzulesen. 

 

Ihr wollt nur die Bilder sehen und zwar in der Vollversion? Dann KLICK HIER

 

 Streetphotography in Paris - Christopher Reuter

ISO 800 | f8 | 1/200s | 35mm Vollformat

 

Wir fahren nach Paris.

05.30 Uhr morgens. Der Wecker klingelt! Alter Schwede ich glaube ich träume! Heute geht's nach Paris, "Der Stadt der Liebe". Schade, dass ich nicht der Romantiker bin. Vielmehr machen wir (Kollege Thommy und ich) uns auf den Weg, um drei spannende Tage in einer übergroßen, unbekannten Stadt zu verbringen. Eigentlich sollte es nach Budapest gehen, doch das haben wir auf's nächste Jahr verschoben. Paris ist doch auch nicht so übel. Wir fahren mit dem Auto pünktlich um 06.30 Uhr aus Köln los. 

 

Schon einige Tage zuvor hatte ich mich auf die Suche nach interessanten Orten und Plätzen in Paris gemacht. Dabei bin ich auf SHOOTERFILES von F. D Walker gestoßen. Ein Streetfotograf, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, jemandem wie mir eine Erleichterung zu bieten, wenn es um Städtereisen geht. Auf seiner Page konnte ich einen kompletten Streetphotography Guide nach Paris finden. Wie cool ist das denn bitte?! Danke Herr Walker!

 

Nach 2 kurzen Stops, 14 € Autobahn Gebühren und 5 Stunden Fahrt sind wir dann fast da. Links neben uns können wir auf das Stade de France blicken und vor uns ist Stillstand. Vor einer Ampel tummeln sich Bettler und Obdachlose in großer Anzahl. Für mich recht ungewöhnlich und teils beängstigend, weil sie die Autos anfassen und hartnäckig davor stehenbleiben.

Rechts unter einer Brücke haben sich noch mehr Migranten und Obdachlose in großer Anzahl versammelt. Einen Anblick, den ich bis dato noch nicht kannte. 

 

Streetphotography in Paris - Christopher Reuter

ISO 160 | f0 | 1/1000s | 50mm Vollformat

 

Cèst la vie - nix mit parken in Paris!  

Nach einer abenteuerlichen Autofahrt durch die City, kommen wir im Norden von Paris an. Nur noch schnell einen Parkplatz suchen und Richtung Air BnB Unterkunft gehen. Zumindest dachte ich mir das so. Paris hat "kaum" Parkplätze. Klingt komisch, ist aber so! Wenn dann einer frei ist, darf man mit seinem Auto ganze 2 Stunden drauf stehen bleiben und dafür 8€ zahlen. Das Leben ist schön in Paris. Für uns heisst das, Gepäck abgeben und Umparken. Doch wohin und wie?

 

"Zum Glück" gibt es schlaue Anbieter, die sich diesem Problem angenommen haben, um den Touristen noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen. Per App können wir einen Parkplatz buchen, der etwas weiter entfernt in einer kleinen Tiefgarage liegt. Nur 40 € für einen Tag. Ein super Angebot, zu dem wir nicht nein sagen "können". Wir sind zudem mit Glück behaftet, dass ein Sonntag dazwischen liegt, an dem wir kostenfrei Parken können. Das Finden eines Parkplatzes ist dann zwar wie ein Lottogewinn und dennoch besser, als nochmal 40 € zu bezahlen.

 

Durchschnaufen - und los gehts!

Dann endlich haben wir unser Gepäck verstaut. Wir haben eine schöne kleine Air BnB Wohnung ergattern können. Damit wir diese auch nutzen dürfen, hat uns Host Thomas eine kleine Aufgabe, namens Daisy, übergeben. Die süße Katze sollten wir 3 Tage verpflegen, was wir natürlich mit bestem Gewissen und Tierliebe erledigen. Wir packen unsere Kameras ein und ziehen los!

 

Unsere Katze "Daisy" im Air BnB Loft

Equipment und Kameraeinstellungen

In Paris habe ich die beiden schweren Vollformatkameras dabei. Zudem ein 50 und 35mm Objektiv plus kürzlich gekauften Kamera Holster, den ich in Russland bestellt hatte. Das Ding ist super, weil es mir so einige Rückenleiden erspart. An dieser Stelle erspare ich es mir, Marken und Namen zu nennen. Schließlich kriege ich keinen Cent von den so schon reichen Firmen der Kamerahersteller.

 

In Brüssel war ich mit der dicken Vollformat gut ausgekommen. Dort hatte ich sogar abends geblitzt, was für mich bis dato undenkbar war. Somit bin ich frohen Mutes und großer Erwartung an mich selbst, dass es auch diesmal mit diesem "Gerät" funktionieren wird.

 

Die Sonne scheint kräftig und ich stelle die Blende zwischen f8 und f10 ein. Schliesslich will ich möglichst viel im Bild scharf abgebildet haben. Hinweis (trotz f 10 kommt es bei Vollformat Kameras zu leichter Unschärfe, im Gegensatz zu Systemkameras).

 

Die Verschlusszeiten liegen bei mir IMMER zwischen einer 1/400s und 1/500s oder höher.

Somit kann ich noch genügend Bewegung einfrieren. Je nach Situation steuere ich dann den ISO Wert manuell oder setze auf Automatik.

 

Streetphotography in Paris - Christopher Reuter

 ISO 400 | f10 | 1/400s | 35mm Vollformat

 

Die ersten Schritte vor die Tür.

Vollbehangen geht es dann raus in den Großstadt Dschungel. Wir sind in Paris - unglaublich!

Ja es ist wirklich unglaublich, denn unsere Augen und unsere Nasen sagen uns was anderes. Sind wir doch in Marrakech gelandet? Thommy und ich fühlen uns zurück katapultiert nach Afrika. Die Gerüche, die Menschen, das Feeling. Alles erinnert uns an den Städtetrip nach Marokko.

 

Noch recht ahnungslos schlendern wir durch unser Viertel, um einen ersten Eindruck zu bekommen. Hier mischen sich so viele Kulturen, wie ich es vorher noch nie gesehen hatte. Ich durchwandere gefühlsmäßig mehrere Kontinente auf einmal. Einfach unfassbar! Ich bin wie gelähmt, mache kaum Fotos. Die Eindrücke prasseln auf mich ein, wie ein heftiger Hagelschauer! Paris frisst mich gerade auf! Als wir Richtung Pompidou laufen, entspannt sich mein Kopf langsam. Hier ist es nicht weniger interessant, doch um einiges "normaler". Ganz in der Nähe ist zudem der Chatelet Les Halles, ein mega interessanter Platz/Park, wo man sich ausruhen und auch gute Fotos machen kann.

 

14 KM Fußmarsch später neigt sich der Tag langsam aber sicher zu Ende. Wir sind schon lange auf den Beinen. Die Autofahrt, das lange Suchen nach einem Parkplatz, das Ankommen und der erste Fußmarsch haben uns geschafft. Absolut heftig! Morgen ist Tag 2 mit hoffentlich mehr Bildern für mich. Schlafen......gute Nacht Paris.

 

Streetphotography in Paris - Christopher Reuter

Tag 2 - Rue de Ravioli und so ein paar bekannte Sachen.

Der 2. Tag ist da! Ich mache das Fenster auf und schaue runter in die Gassen von Paris. Ich kann es immer noch nicht glauben, dass ich hier bin. Heute nehme ich nur noch eine Kamera mit, die zwar nicht weniger schwer ist, dafür aber ein ausklappbares Display hat. Somit muss ich keinen Blickkontakt aufnehmen und kann mich auf mein Display konzentrieren. Das hat mir schon einige Male geholfen und soll auch heute wieder funktionieren. 

 

Durch das Chinatown hindurch gehen wir zur Metro Station, die uns in Richtung Chatelet Les Halles bringt. Hier waren wir schon gestern, also ein guter Ausgangspunkt für den heutigen Trip. Wir machen uns auf Richtung Rue de Rivoli und ziehen weiter zum Hotel de Ville. Das Ganze zieht sich zu Fuß über große Strecken. Die Sonne scheint mit 25 Grad und das im Oktober. Wir haben echtes Glück! 

 

Streetphotography in Paris - Christopher Reuter

Wir sehen das bekannte Notre Dame und gehen weiter in Richtung Musee`du Louvre. Diese Sehenswürdigkeiten sind wirklich toll und ich bin froh, dass ich sie mal gesehen habe. Trotzdem brauche ich es nicht nochmal. Ich bin wahrscheinlich ein echter Kulturbanause. Vom Louvre aus wollen wir unbedingt das Le deux Plateaux sehen. Dort befinden sich echt abgefahrene Säulen, die man grafisch sehr wirkungsvoll in die Streetfotografie mit einbringen kann. Wir suchen, wir laufen, wir suchen, wir laufen und wir finden es zum verrecken nicht! Wahrscheinlich sind wir schon 5 mal dran vorbei gelaufen, aber es soll einfach nicht sein.

 

Louvre - Streetphotography in Paris - Christopher Reuter

ISO 320 | f14 | 1/800s | 50mm Vollformat

 

Wir machen eine Pause und setzten uns in eines der vielen Cafés. Unsere Waden pulsieren und brennen. Wie soll man diese Stadt zu Fuß bewältigen? Unser Host Thomas hatte in vollster Sicherheit gesagt, dass wäre kein Problem. Wir hingegen empfinden es als unmöglich zu Fuß die Stadt zu durchlaufen. Auf dem Rückweg machen wir uns auf in Richtung Latin Quarter und den Les Jardin du Luxembourg. Dort angekommen sehe ich einen Park, wie ich es zuvor noch nie gesehen habe. Es gleicht eher einer Stadt als einer Parkanlage. Hier entspannen sich die Menschen und die Kinder spielen. Einfach einzigartig, was wir hier zu Gesicht bekommen. Nach einem kurzen Aufenthalt fahren wir mit der Metro zurück ins "Les Ghetto". :-) 17 KM stehen auf der Uhr und wir sind für heute mehr als geschafft. Zum Abend noch ein schönes, dreifach karamellisiertes Bier im "Oberkampf Viertel" und dann ab ins Bett! Gute Nacht.....

Tag 3 - Der große "Flöhe Markt".

Saint Ouen, so heißt das Ziel, das wir früh am Tag ansteuern, denn hier soll es den größten Flohmarkt Europas mit über 2000 Ausstellern geben. Da ich Flohmärkte sowieso recht knorke finde, ist es für mich ein "Must See" in Paris. Die Nacht war recht abwechslungsreich, was nicht zuletzt daran liegt, dass Katze Daisy sich im 45-Minuten-Takt auf meinen Kopf gesetzt hat. Was für eine süße Katze sie doch ist. Der "ich-bin-wach-Pegel" liegt somit bei 10 Prozent. 

 

Als wir in Saint Ouen ankommen bin ich jedoch schnell wach. Ich denke nur: Wow, was geht denn hier ab?! Wir laufen in Richtung Flohmark und es kommen uns Charaktere entgegen, die ich bislang nur aus Büchern kannte. So viele verschiedene Eindrücke. Es geht schon wieder los! Doch diesmal fange ich mich und beginne zu fotografieren. Paris ist ein Mekka für Streetfotografen, so viel steht fest!

 

Der große Flohmarkt ist wiederum in viele kleine und größere Märkte aufgeteilt. Wir durchwandern die coolsten und skurrilsten Märkte und machen unsere Fotos. Thommy und ich machen einen Treffpunkt aus und fotografieren jeweils für eine kurze Zeit alleine. Mir wird klar, dass ich nur wegen diesem Flohmarkt nochmal nach Paris reisen möchte. Hier könnte ich drei Tage hintereinander fotografieren! Nie zuvor habe ich Reichtum und Armut so dicht beieinander und miteinander gesehen. Respekt Paris!

 

Nach kurzer Zeit treffen wir wieder aufeinander und wir entscheiden uns in Richtung Cité du Sacré-Cœur zu gehen. Dazu nehmen wir die Metro, die alle 3 Minuten fährt. Davon können sich andere Länder und Städte noch was abschauen. Super schnell und sehr günstig. Gerade 19€ für 2 volle Tage zahlen wir pro Ticket. Wenn man sich erst einmal mit dem System vertraut gemacht hat, geht es ganz leicht. Thommy hat zudem die "Metro Paris App" auf seinem Handy. Wie cool ist das denn?

 

Der große Eifelturm!

Dort angekommen sehen wir diese wunderschöne Kirche, die nur leider komplett abgezäunt ist. Schade, doch der Ausblick über die Stadt entschädigt uns dennoch. Wir bleiben nur kurz und entscheiden uns in Richtung Eifelturm zu fahren. Ab in die Metro und los geht's. Dies sollte die letzte Sehenswürdigkeit sein, die ich in Paris sehen sollte. Lustiger Weise hatte ich bislang den Eifelturm nicht gesehen, egal wie hoch und wo immer wir auch standen. Diese Stadt ist einfach so dermaßen groß, dass der Eifelturm darin untergeht! ;-)

 

Als ich dann vor diesem "Riesenteil" stehe, fehlen mir die Worte. Ein überwältigender Anblick! Ich hatte mir einige Vorstellungen davon gemacht, doch vor dem Eifelturm zu stehen ist nochmal eine andere Nummer. Natürlich lasse ich es mir nicht nehmen ein Foto zu machen! Jetzt bin ich auch mal im Touri Modus. 

 

Eifelturm in Paris zur Golden Hour 

Inzwischen ist es spät geworden und es fängt langsam an zu dämmern. Wir machen uns auf den Rückweg und ruhen uns ein wenig aus. Denn heute wollen wir noch ins Moulin Rouge Viertel. Ihr wisst schon. Das mit der roten Mühle und den vielen Sex Shops!

 

Moulin Rouge - die Rote Mühle.

Auch vom Moulin Rouge Viertel hatte ich bis dato nur gehört. Inzwischen war es schon dunkel, weshalb ich meinen Aufsteckblitz benutzen muss. Leider ist es Sonntag Abend und es ist nicht mehr viel los. Bis auf einige wenige Passanten können wir hier nicht mehr viel sehen. Wir machen deshalb ein paar Langzeitbelichtungen. Dazu stellen wir unsere Kameras auf ein Stativ und belichten das Bild für ein paar Sekunden. Dabei passieren schöne Dinge. 

 

Als es dann noch später wird, entscheiden wir uns endlich zurück in unser Viertel zu fahren.

Weitere 18 KM haben wir zu Fuß abgelaufen. Puhhhh Schluss für heute!

 

Moulin Rouge - Streetphotography in Paris

ISO 400 | f5,6 | 1/13s | 35mm Vollformat

 

Der letzte Tag - Abreise.

Am nächsten morgen bricht der letzte Tag an. Wir müssen früh morgens zu unserem Auto,

um erneut einen Parkschein zu holen. Weitere 8 € für nur 2 Stunden. Wir packen unsere

Koffer und machen uns nochmal auf in Richtung "China Town", das direkt in unserem Viertel liegt.  Die Menschen, die uns entgegen kommen, begegnen uns weder freundlich noch aggressiv. Es fällt mir schwer die "Pariser" zu beschreiben. Wir haben keine größeren Probleme beim Fotografieren gehabt und trotzdem wirken die Menschen auf mich übersättigt, egal ob in den ärmeren oder auch den wohlhabenden Gegenden. Kein Wunder bei dieser Stadt, die mich auch verschlungen hat, mit Haut und Haaren.

 

Drei wundervolle Tage sind vorbei und ich nehme alle Eindrücke mit nach Hause. Ein gut gelaunter Akademiker und Hoffnungsträger der Zukunft ruft mir zum Abschied noch etwas hinterher: "Don't take Pictures of all of us!" Ich bedanke mich innerlich und sage: "Kein Problem, hab ich schon längst."

 

Streetphotography in Paris - Christopher Reuter

Diese Stadt hat uns